Höfefest

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„Mer soin Laaker Schoof“, in Anspielung auf den Uznamen der Altweilnauer für die Niederlaukener prangte dieses Schild an der alten Schäferhütte und nebenan im Gärtchen vor der Stadtmauer grasten friedlich drei Skudden, eine alte Schafrasse. Im alten Ortskern des Burgdorfes gab es am Pfingstsonntag in jedem Hof, hinter jeder Ecke etwas mit historischem Bezug zu entdecken.
Denn zur Feier ihres 800-jährigen Jubiläums hatten die Bewohner der Altweilnauer „Altstadt“ ihre Höfe geöffnet. Über 30 Stände mit verschiedenen Themen und Angeboten an Speisen und Getränken lockten an diesem strahlend sonnigen Tag scharenweise die Besucher in das Jubeldorf.

So waren die 300 Backesbrote und 250 Burgtaler schnell vergriffen und die 200 Portionen Backeskuchen schon am frühen Nachmittag verspeist. Aber auch die anderen Verköstigungsstände waren zum Ende des Festes gegen18 Uhr fast alle ausverkauft. Natürlich gab es nicht nur etwas fürs leibliche Wohl, für jedes Interessengbiet fanden sich Angebote. Die technisch Interessierten fanden im Hof Moos historische Traktoren oder im Hof Rassloff und Dreyer eine alte Dreschmaschine. Im Hof Lorenz konnte man historische Feuerwehrgeräte begutachten. Für die Damen unter den Gästen war eher die Spinnstubb mit dem Stand der Reifenberger Härmleins von Interesse, wo auch das Brettchenweben gezeigt wurde. Die Kinder konnten in mehreren Höfen alte handwerkliche Techniken wie Filzen und Töpfern ausprobieren. Da wurde geknetet, geformt, geprägt, geschlämmt und geschnitten. Und heraus kamen individuelle Teller und Becher, Schäfchen, Dinosaurier oder Fische.

„Immer nur ziehen“, gab Thomas Götz seinen „Lehrlingen“ die Anweisung. Denn am Stand von Hessen Forst durften sich die kräftigen Männer und Frauen, Mädchen und Jungen mit einer Schrotsäge eine Scheibe von einem Baumstamm absägen. Der Geschichtsverein von Weilrod freute sich an seinem Stand über einige neue Mitglieder und den Verkauf von zahlreichen seiner Schriften. In die Vergangenheit von Altweilnau in Bild und Ton konnte man im Hof Zepke und im Hof Heberling eintauchen. Im Hof Saatmann schwebten die Elevinnen der Tanzschule Lisson zu Renaissancemusik über die Bühne oder Uschi Flacke besang mit ihrer markigen Stimme die Glocke von Weilnau. Ein besonderer Genuss war der Besuch des sonst nicht zugänglichen alten Pfarrhauses. Im Garten mit dem plätschernden Wasserfall konnten die Gäste ein Glas Sekt genießen oder im Haus Gemälde von Yu Mo Hung Umbach bewundern.

Über der schmalen Gasse „Vor dem Turm“ flatterten die Unterröcke und Unterhosen im Wind. Darunter gab es alte Handwerksgeräte zu sehen, von denen dem modernen Menschen die Funktionen vielfach unbekannt sind. Andere alte Handwerke konnten in Aktion bestaunt werden wie Buchdruckkunst, das Glasperlenmachen oder das Papier schöpfen und auf dem Burggelände der Silberschmied, die Lederverarbeitung oder das Laternenmachen. Silke Greuling fertigt nach historischen Vorbildern Laternen aus Tierhaut und Holz. Nur Laubharthölzer widerstehen dem Druck der trocknenden Rindshaut, die um die Stäbe genäht wird. Nach dem Trocknen erhält die Haut eine Schutzschicht aus Öl. Mit Naturfarben aus farbigen Erden malt Greuling Muster auf die Lampen.

Unter dem Bergfried zeigten die „Fränkischen Armbruster“ das Leben in einem mittelalterlichen Lager. Da kümmern sich die Männer um die Instandhaltung ihrer Waffen aber auch ihrer Kleidung, während die Frauen spinnen oder weben. Die Lager in den Zelten sind mit Fellen bedeckt und gekocht wird im Eisentopf über dem offenen Feuer. So ein buntes Treiben wie an diesem Wochenende hat die 800 Jahre alte Burg schon lange nicht mehr gesehen. Nun wird es wieder ruhig und beschaulich.

Nachfolgend die Bildergalerie zum Höfefest im Rahmen der 800 Jahrfeier. Die Bilder wurden größtenteils vom Fotostudio Schiffer aufgenommen sowie von Sabine Neugebauer und Marlene Böff. Den Fotografen einen herzlichen Dank für das zur Verfügung stellen des Bildmaterials.